Care-O-bot 4 – der Sympathieträger der Roboterfamilie

Modulare, kostengünstige und vielseitig einsetzbare Roboter-Technologie

Er ist ein Vorzeige-Gentleman und dazu auch noch vielseitig einsetzbar. Als Kundenbetreuer oder Pflegekraft kann er dort, wo Fachpersonal fehlt, Lücken füllen und mehr Zeit für menschliche Betreuung ermöglichen. Vor 20 Jahren als Projekt am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA gestartet ist Care-O-Bot 4 ein Beispiel dafür, wie eine langfristige Technologieentwicklung erfolgreich Märkte erobern und Preise ergattern kann.

Die Aufgabenstellung
Eine Robotertechnologie entwickeln, die vielseitig und zuverlässig einsetzbar ist.
Unsere Lösung
Ein modulare Roboter-Plattform, die sowohl Privatpersonen im Alltag unterstützen als auch Arbeitsengpässe ausgleichen kann.

Die Care-O-bot-Familie hat ihren Ursprung im Jahr 1998. Seit damals arbeiten Forschende des Stuttgarter Fraunhofer IPA an ihrer Robotervision. Das vierte und neueste Mitglied ist der Sympathieträger der Familie. Im Vergleich zu seinem großen Bruder ist Care-O-bot 4 noch zuvorkommender und freundlicher. Auch seine Silhouette gleicht weniger einem typischen Industrieroboter – seine Formen sind rund und organisch.

Kundenberater mit guten Manieren

Als Verkaufsassistent in einem Elektronikfachmarkt in Hamburg kann Care-O-bot 4 seine Serviceansprüche völlig ausleben, dort gleitet der äußerst bewegliche Kundenbetreuer Paul durch die Gänge. Er weiß ganz genau, wo welches Produkt zu finden ist. Und auch die Gefühlslage seines Gegenübers nimmt er wahr und reagiert – über sein integriertes Display im Kopfbereich kann er verschiedene Stimmungen rückmelden. So ist eine Interaktion möglich.

Wie gut die soziale Umgangsform der Plattform als Serviceroboter gelungen ist, stellte Roboter Paul bei den EHI Awards 2017 unter Beweis. Dort gewann er in der Kategorie »Best Customer Experience«. Eine wichtige Auszeichnung. Denn funktionierende soziale Umgangsformen entscheiden maßgeblich über die Akzeptanz von Servicerobotern, wie Studien zeigen.

Bevor Care-O-bot 4 jedoch seine so vielversprechende Karriere starten konnte, hatte das Mojin Robotics Team – hervorgegangen aus der Projektarbeit des Fraunhofer IPA – eine fünfjährige Entwicklungsaufgabe zu bewältigen. Und es hatte weit mehr für ihn im Sinn als eine Beschäftigung im Einzelhandel.

Vielseitig einsetzbar

Besonderes Augenmerk legte das Team darauf, dass Care-O-bot 4 in unterschiedlichen Branchen und Anwendungsbereichen funktioniert. Seine modulare Bauweise sichert diesen Anspruch. Er kann als reiner Kofferträger ohne Arme und Kopf dienen oder in seiner vollen Servicekraft eingesetzt werden. Je nach gewählten Modulen erfüllt Care-O-bot 4 die Wünsche des Kunden individuell.

Neben dem Baukastenprinzip zeichnet Care-O-bot 4 seine besondere Beweglichkeit aus. Seine Arme reichen bis zum Boden, und durch die agilen Kugelgelenke ist er verschiedensten Situationen gewachsen. Er kann Bücher aus tief stehenden Regalen holen, Taschen greifen und sogar tanzen. Diese Fähigkeit verdankt er seinem Hüftgelenk. Wiederum kugelförmig gelöst, kann er sich zu allen Seiten neigen und erweitert so seinen Arbeitsradius – ohne dabei sein Gleichgewicht zu verlieren.

Kostengünstig und serienreif

Neben Akzeptanz und Anwendungsbezug beschäftigte die Care-O-bot 4-Entwicklerinnen und -Entwickler auch die Frage der Produktion. Schließlich muss jedes noch so gute Produkt auch fertigbar, bezahlbar und am besten auch für die Serienproduktion geeignet sein. Durch kostengünstige Blechfaltkonstruktionen bleiben sie auch die Lösung dieses Problems nicht schuldig.

Die Bilanz am Ende einer langen Technologieentwicklung: Fünf Jahre Anstrengung haben sich gelohnt. Nur wenige Monate nach dem EHI-Award folgte bereits die nächste Auszeichnung. Die Technologie der Mojin Robotics GmbH gewann den Fraunhofer-Gründerpreis 2017, der gemeinsam mit dem High-Tech Gründerfonds verliehen wird. Der Preis ehrt aktive und am Markt erfolgreiche Spin-offs mit gesellschaftlichem Nutzen – und gesellschaftlich relevante Einsatzfelder für Care-O-bot 4 gibt es viele.

Dr. Alex von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, sieht die Roboter-Plattform vor allem im Dienstleistungssektor: »Der Fachkräftemangel in diesem Bereich wird sich in den kommenden Jahren immer mehr zuspitzen. Dem könnte durch mobile Serviceroboter gegengesteuert werden.«

In der ambulanten Pflege kann Care-O-bot 4 weniger anspruchsvolle Aufgaben den oft überlasteten Pflegekräften abnehmen. Oder er wird Alltagshelfer für Personen mit Einschränkungen. In Zukunft wird der Care-O-bot 4 möglicherweise Geschirr an unerreichbaren Stellen verstauen oder einfache Haushaltsarbeiten übernehmen. Ein perfekter Butler – mit guten Manieren und einem ganz eigenen, eleganten Hüftschwung.

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