Von Maschinenbau bis Biomedizin – Industrie 4.0 ohne Grenzen

Leistungszentrum für vernetzte, adaptive Produktion in Aachen

Eine individuelle Bearbeitung von Bauteilen oder eine Optimierung der Fertigung während des Produktionsprozesses ist heute oftmals gar nicht oder nur sehr eingeschränkt machbar. Das soll sich in Zukunft ändern: Deshalb arbeitet das Fraunhofer-Leistungszentrum »Vernetzte, adaptive Produktion« an der vollständigen Vernetzung von Maschinen und Sensoren. Welche Diagnose- und Prognosemöglichkeiten sich damit für die Fertigung anspruchsvoller Produkte für unterschiedliche Branchen ergeben, zeigen wir auf der Hannover Messe vom 23. bis zum 27. April.

Das bieten wir
Eine aktive Forschungscommunity für eine komplett digitalisierte und vernetzte Produktionsumgebung.
Das brauchen wir
Industrievertreter, die eigene Technologien vernetzen und in Richtung Industrie 4.0 weiterentwickeln möchten.

Zum Fraunhofer-Leistungszentrum »Vernetzte, adaptive Produktion« gehören drei Aachener Fraunhofer-Institute. Dort entwickeln die Forscherinnen und Forscher eine komplett vernetzte Produktionsumgebung, die sich für ganz unterschiedliche Branchen eignet – für die Biomedizin genauso wie den Maschinenbau. Die Möglichkeiten der Industrie 4.0 für besonders anspruchsvolle Fertigungsaufgaben sollen so voll ausgeschöpft werden.

Mit unserem Ansatz bringen wir die Digitalisierung und Vernetzung in die reale Fertigungsumgebung. Wir statten die Anlagen mit zahlreichen Sensoren aus, die permanent Messdaten aus den Maschinen an eine zentrale Datenbank senden – und zwar kabellos über den kommenden Mobilfunkstandard 5G. Die gesammelten Daten werden in einer speziell entwickelten Cloud, dem »Virtual Fort Knox«, gespeichert und dort mit eigens dafür konzipierten Algorithmen und Technologie-Apps verarbeitet und analysiert. So lassen sich neue, überraschende Korrelationen erkennen – zum Beispiel Schwingungsmuster, die darauf hindeuten, dass das Werkzeug einer Fräsmaschine verschlissen ist. Werden die Informationen an die Maschinensteuerung zurückgespielt, schließt sich der Kreis: zum Beispiel mit einer Warnung, dass das Werkzeug ausgetauscht werden muss.

Pilotanwendungen für anspruchsvolle Produktionsumgebungen

Um die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung von Produktionseinrichtungen zu verdeutlichen, haben wir am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT, am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT und am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME insgesamt sechs verschiedene Anlagen für Pilotanwendungen aufgebaut – darunter Prozessketten für die Fertigung von Turbinenschaufeln, zur Gewinnung von Medikamenten aus Pflanzen und für die Produktion von Batteriemodulen für Elektroautos.

Bei der Herstellung der Turbinenbauteile für Flugzeugantriebe kommt es besonders auf Präzision und Sicherheit an. Die Schaufeln werden heute vielfach mit Werkzeugmaschinen aus einem massiven Titanblock gefräst. Dabei können Schwingungen entstehen, die bei der Bearbeitung zu Ungenauigkeiten führen. In der Pilotanlage wurden deshalb Sensoren installiert, die Schwingungen von Hundertstel Millimetern und wenigen Millisekunden präzise aufnehmen. Die enormen Datenmengen, die dabei entstehen, sollen künftig über das 5G-Netz in die gesicherte Cloud einfließen, das bereits erwähnte Virtual Fort Knox. Erst die drahtlose Datenübertragung mit 5G schafft die Voraussetzungen, Steuerbefehle in Echtzeit an die Maschine zu senden und durch schnelle Anpassung der Maschine solche Schwingungen zu verhindern, noch bevor sie auftreten.

Ziel im Leistungszentrum: die komplett digitalisierte und vernetzte Produktionsumgebung. © Fraunhofer IPT

Mit Big-Data-Analysen Produktions- und Sensordaten auswerten

Eine Besonderheit des neuen Leistungszentrums ist, dass alle Produktions- und Sensordaten individuell für jedes Produkt gespeichert werden – in einem »Digitalen Zwilling«, der die vollständige Produktionshistorie enthält. Treten später Schäden auf, kann man im Prozess zurückblättern und den Daten entnehmen, wo der Fehler entstanden ist, um den Prozess zu optimieren.

Ebenso wie bei der Fräsbearbeitung kommt auch bei der Gewinnung von Wirkstoffen aus Pflanzen der Datenanalyse und der Rückverfolgung der Produkthistorie eine besondere Bedeutung zu. Am Fraunhofer IME werden Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen gesät, aufgezogen, dann biochemisch verändert, sodass sie Medikamente produzieren, und anschließend geerntet. Im letzten Schritt werden die Wirkstoffe extrahiert und isoliert.

Da verschiedene Pflanzen unterschiedlich wachsen und verschiedene Mengen an Wirkstoff liefern, ist es hier interessant, die Historie der Pflanzen nachzuvollziehen, um die Wachstumsbedingungen und die Wirkstoffproduktion genau analysieren zu können. So können wir am Ende erkennen, unter welchen Bedingungen die Pflanzen besonders produktiv sind und damit den Prozess laufend anpassen. Wir führen hier umfangreiche Big-Data-Analysen durch, um die richtigen Parameter zu finden und zu überwachen, die die Wirkstoffproduktion beeinflussen.

Industrie 4.0 für zahlreiche Anwendungsgebiete

Die Stärke des Aachener Leistungszentrums besteht darin, dass sich die Technologien der Digitalisierung und Vernetzung für verschiedene Anwendungsgebiete eignen. Am Fraunhofer ILT etwa wurde das Konzept auf die Fertigung von Batteriemodulen zugeschnitten.

Auf der Hannover Messe (23. bis 27. April; Halle 2, Stand C22) stellen wir verschiedene Konzepte für die vernetzte, adaptive Produktion vor: Zu sehen sein wird unter anderem eine Fräsmaschine, anhand derer Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung sowie Sensorik mit 5G-Datenübertragung demonstriert werden.

Industrievertreter, die eigene Technologien im Leistungszentrum vernetzen oder in Richtung der Industrie 4.0 weiterentwickeln möchten, sind herzlich eingeladen: Wir wollen das Leistungszentrum jetzt für weitere Industriepartner aus ganz unterschiedlichen Branchen öffnen.

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