Intelligentes Sicherheitsglas erkennt Einbruchsversuch

Temperaturschwankungen und Erschütterungen in Echtzeit erkennen

Fensterscheiben von Juweliergeschäften, Galerien oder Banken sind alarmgeschützt und mit Sicherheitsglas ausgestattet. Der Nachteil: Die Scheibe beziehungsweise ein Teil der Scheibe muss erst brechen, damit der Alarm auslöst. Eine neuartige Alarmanlage von Fraunhofer-Forschern hingegen erkennt bereits die versuchte Manipulation am Fenster.

Das bieten wir
Ein innovatives System zur Überwachung von Glasscheiben und tragenden Strukturen.
Das brauchen wir
Projektpartner, um das System zugeschnitten auf ihre Anforderungen weiterzuentwickeln.
Share this post by e-mail
You can enter up to five recipients. Seperate them with a comma.





The provided data in this form is only used to send the e-mail in your name. They will not be stored and not be distributed to any third party or used for marketing purposes.

Herkömmliches Sicherheitsglas ist mit Metallfäden durchzogen, die erst bei einer mechanischen Beschädigung reißen und somit den Alarm aktivieren. Wird das Glas beispielsweise durch einen Schneidbrenner oder lokal mit einem Bohrer beschädigt, reagieren konventionelle Anlagen gar nicht oder zu spät. Das machen sich Einbrecher zunutze und verwenden anstelle eines Hammers einen Bohrer oder Gasbrenner.

Unsere Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT und am Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS haben nun gemeinsam einen intelligenten Einbruchschutz entwickelt, der diesen Nachteil überwindet: Das System registriert sowohl Temperaturänderungen als auch Erschütterungen am Glas in Echtzeit – Einbrecher haben somit keine Chance. Bereits ein leichter Schlag gegen das Sicherheitsglas oder die Manipulation durch eine Flamme reicht aus, um den Alarm auszulösen. Durch die Gewalteinwirkung ändert sich die mechanische Eigenschaft der Scheibe, was das neue System erfasst.

Optische Sensoren machen Glasscheiben hochsensibel und klug

Die Überwachung der Glasscheibe basiert auf einem Glasbruchsensor mit Faser-Bragg-Gitter. Dieser optische Sensor reflektiert eine spezifische Wellenlänge des Lichts, die durch Temperatur- und/oder Dehnungsabweichungen verändert wird. Übt jemand Druck auf die Glasscheibe aus oder wird sie erhitzt, ändert sich der Abstand der Gitterelemente zueinander und somit auch die übertragene Wellenlänge. Diese Änderungen können empfindliche optische Messgeräte erfassen. Sind die Veränderungen größer als ein vorher identifizierter Schwellenwert, werden Signale an die Alarmanlage übermittelt. Wir können unser System sehr fein und gezielt einstellen, es kann sowohl auf leichte als auch auf starke Schläge reagieren. Das lässt sich je nach Anwendungsfall individuell anpassen.

Demonstrator der smarten Alarmanlage © Fraunhofer INT

Der neuartige Einbruchschutz besteht aus einem Bragg-Gitter, einer Glasfaserzuleitung, einer Schnittstelle zur Alarmanlage und einer Auswerteelektronik, die das optische Messgerät enthält. Die Auswerteeinheit, an die sich unterschiedliche Glasfasern anschließen lassen, soll künftig im Rahmen der Fensterscheibe verbaut werden. Im Hochsicherheitsbereich kann diese sich auch in großer Entfernung zum Sicherheitsglas befinden, da das System Signale über mehrere Kilometer transportieren kann.

Belastungstests mit Hammer, Axt und Heißgebläse

Ein weiterer Vorteil des Fraunhofer-Systems: Glasfasern sind resistent gegenüber elektromagnetischen Störungen. Außerdem schließt eine Mustererkennung Fehlalarme durch alltägliche Erschütterungen aus, schließlich hinterlassen ein Fußball oder ein Vogel eine andere Signatur als ein Hammer oder ein Baseballschläger. Die intelligente Alarmanlage wurde in diversen Angriffsszenarien auf Herz und Nieren getestet – unter anderem kamen dabei Hammer, Baseballschläger, Bohrer, Schusswaffe, Axt und Heißgebläse zum Einsatz.

Der Einbruchschutz der Fraunhofer-Forscher liegt nun als Demonstrator vor. Die Auswerteelektronik steckt in einem Kästchen, das nur wenig größer ist als eine herkömmliche Smartphone-Verpackung und kann bei Bedarf weiter miniaturisiert werden. Nicht nur Juweliergeschäfte und andere einbruchanfällige Objekte lassen sich mit dem System schützen, es eignet sich beispielsweise auch zur Überwachung von Brücken, Gebäuden, Rohrleitungen, tragenden Strukturen in der Luft- und Raumfahrt sowie Windkraftanlagen.

Nun freuen wir uns darauf, das System gemeinsam mit Projektpartnern weiterzuentwickeln und an individuelle Bedürfnisse anzupassen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.