Menschen mit Hörminderung tun sich im Kino und im Theater schwer. Seit kurzem verspricht eine Fraunhofer-Technologie Abhilfe, die in zwei Apps der Sennheiser Streaming Technologies GmbH integriert wurde: Der Klang kann damit optimal an individuelle Bedürfnisse angepasst und das Geschehen über Kopfhörer verfolgt werden.

CinemaConnect_Schmuckbild_IDMT

Die Apps »CinemaConnect« und »MobileConnect« der Sennheiser Streaming Technologies GmbH sollen künftig dafür sorgen, dass Menschen mit Hörbeeinträchtigung in Theaterstücken und Kinofilmen Sprache wieder besser verstehen können – auch dann, wenn sie kein Hörgerät tragen. Die Hörunterstützungstechnologie haben Forscher der Oldenburger Projektgruppe für Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT entwickelt.

Das Prinzip: Ein Streaming-Server der Firma Sennheiser überträgt das Audiosignal der Bühne oder des Kinofilms direkt auf das Smartphone der Besucher. Dieses gibt die Daten direkt über die Kopfhörer wieder, während sie über das geschlossene Netzwerk geladen werden. Trägt man ein Hörgerät, das auf das Smartphone angepasst wurde, kann man sich die Tonsignale von der App via Bluetooth auch direkt auf die Hörhilfe schicken lassen. »Unsere in die Apps integrierte Technologie verstärkt nicht einfach nur die Lautstärke, sondern erlaubt es dem Theaterbesucher, den Klang individuell anzupassen«, bestätigt Dr. Jan Rennies-Hochmuth, Gruppenleiter am IDMT. Denn der jeweils optimale Lautstärkegrad ist schmal: So erscheinen laute Geräusche schnell zu laut, sie müssen daher reduziert werden. Ruhige Sprachanteile dagegen brauchen deutlich mehr Verstärkung. Und je nach Art des Hörverlusts nimmt der Betroffene nicht alle Frequenzen gleich intensiv wahr: Viele Personen können tiefe Töne noch recht gut erkennen, während es bei höheren Tonlagen schwierig wird.

Die Herausforderung bei der Entwicklung der Technologie lag vor allem darin, ihre Bedienung intuitiv zu gestalten: Schließlich sollen die Menschen den Klang jederzeit selbst verbessern können – ohne wie bei den Hörgeräten einen Akustik-Experten zu Rate zu ziehen. Das ist gelungen: Der Nutzer fährt mit seinem Finger über den Touchscreen seines Smartphones und »schiebt« so einen kleinen Punkt über den Bildschirm. Zieht man den Punkt nach oben oder unten, steigt oder fällt die Lautstärke. Verschiebt man ihn waagerecht, wird der Ton heller oder tiefer.


In bestehende Sennheiser-Apps integriert

Im Sommer vergangenen Jahres hat Sennheiser die Funktion »Personal Hearing « in zwei Apps integriert, die von der Firma kostenlos vertrieben werden. Hauptzielgruppe für die Technologie sind Theater, Musical- und Opernhäuser. Flughafen-Lounges, Universitäten und Religionshäuser zählen zu den weiteren Interessenten.

Auch in anderen Anwendungen kommt die Fraunhofer-Hörunterstützung zum Einsatz: Die Forscher wollen aktuell eine App entwickeln, die das iPhone als Mikrofon nutzt und eine individuelle Hörverstärkung bietet. Erst Anfang 2015 stellte die Sennheiser electronic GmbH & Co. KG einen Drahtlos-Kopfhörer mit individueller Klanganpassung von Fraunhofer vor. Ein weiteres Forschungs- und Einsatzgebiet ist die Hörunterstützung im Telefon. »Unsere Nutzerstudien haben gezeigt, dass die Technologie für Hörgeschädigte in unterschiedlichen Anwendungsszenarien wie im Kopfhörer oder im Telefon sehr hilfreich ist und oft auch von Normalhörenden als vorteilhaft empfunden wird«, sagt Dr. Jens Appell, Abteilungsleiter der Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie. »Bisher war ein Großteil der Probanden begeistert – ob mit oder ohne Hörgerät.«

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  1. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Ich habe schon oft gelesen, dass es für Menschen mit einem Hörgerät nicht immer einfach ist, wenn sie ins Kino oder in das Theater gehen.
    Ich finde die Idee mit dem Streaming-Service super! Ich werde beim nächsten Besuch beim Hörgeräteakustiker mal nachfragen ob das Hörgerät meiner Mutter auf das Smartphone angepasst werden kann.

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