E-Mails verschicken ist kinderleicht. Sie sicher verschlüsseln, um zu verhindern, dass unberechtigte Dritte die Nachrichten mitlesen können, erfordert bislang jedoch einiges Know-how. Das soll sich ändern: Die Deutsche Telekom und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT bieten künftig eine einfache Möglichkeit, um E-Mails zu verschlüsseln. Die Volksverschlüsselung ist eine Entwicklung von Fraunhofer, die Deutsche Telekom betreibt die Lösung in einem Hochsicherheits-Rechen-zentrum. Die Software soll im ersten Halbjahr 2016 verfügbar sein und wird nach ihrem Start sukzessive ausgebaut und erweitert.
Mit der Volksverschlüs-selung lassen sich codierte E-Mails leicht erstellen. © iStockphoto

Mit der Volksverschlüs-selung lassen sich codierte E-Mails leicht erstellen. © iStockphoto

Das Kernstück der Volksverschlüsselung ist eine Software, das VV-Programm. Sie ermöglicht es, die notwendigen Schlüsseln zu erzeugen, zertifizieren zu lassen und zu verteilen. Aber wie funktioniert das in der Praxis? Um chiffrierte E-Mails verschicken zu können, muss man nur das Volksverschlüsselung-Programm installieren und sich identifizieren, etwa über die etablierten An-meldeverfahren der Deutschen Telekom oder mit Hilfe des elektronischen Personalausweises. Die Software erzeugt dann auf dem Gerät des Nutzers die kryptographischen Schlüssel, mit denen sich E-Mails und Daten verschlüsseln und signieren lassen. Für die eigentliche Chiffrierung brauchen die meisten Nutzer kein neues Programm, denn fast alle E-Mailprogramme können von Haus aus verschlüsseln, wenn entsprechende Schlüssel vor-handen sind. So lassen sich auch ohne besondere IT-Kenntnisse verschlüsselte E-Mails verschicken.

»Mit der Volksverschlüsselung wollen wir kryptographsche Methoden, die in der Forschung etabliert sind, endlich allen Menschen zugänglich machen«, betont der Leiter des Fraunhofer SIT, Professor Michael Waidner. Welche besonde-ren Vorteile das Verfahren bietet, beschreibt Dr. Thomas Kremer, Datenschutzvorstand der Deutschen Telekom: »Die Volksverschlüsselung ist kostenlos, unkompliziert und transparent. Für uns das beste Werkzeug, um eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails in der breiten Bevölkerung zu verankern.«

Mit der Volksverschlüsselung können im ersten Schritt Windows-Nutzer über E-Mailprogramme wie Outlook oder Thunderbird verschlüsselt per E-Mail kommunizieren. In weiteren Schritten sind Versionen für Mac OS X, Linux, iOS und An-droid geplant. Die Software unterstützt zunächst den S/MIME-Standard, in einem nächsten Schritt wird sie zusätzlich OpenPGP unterstützen. Fraunhofer wird den Quellcode nach Veröffent-lichung der Software allgemein zur Verfügung stellen. So können sich Experten selbst davon überzeugen, dass die Volksverschlüsselung keine Hintertüren hat.

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